Kuma Blog

"Entartete Kunst" – mit diesem aus der Medizin übertragenen Schlagwort hetzten die Nationalsozialisten schon in den 1920er-Jahren gegen weite Teile der modernen Kunst. Was aus ihrer Sicht nicht der eigenen kruden Kunstauffassung entsprach, also künstlerisch "aus der Art geschlagen" wäre, wurde ab 1933 aber nicht nur mit Worten herabgewürdigt: Viele der als "entartet" diffamierten Künstler wurden mit Berufsverbot belegt und waren – wie auch viele Händler moderner Kunst – zur Emigration gezwungen. Und viele der von diesem Vorwurf betroffenen Kunstwerke wurden in deutschen Museen aus den Sammlungen entfernt, in Propagandaausstellungen öffentlich angeprangert und danach oftmals zerstört.   Auch die Kunsthalle Mannheim zählt zu den über 100 Institutionen, in denen im Sommer 1937 derartige Konfiszierungen stattfanden. Am 8. Juli 1937 beschlagnahmte eine Delegation unter Führung von Adolf Ziegler (1892-1959), dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, insgesamt 58 Kunstwerke, die anschließend in der Ausstellung "Entartete Kunst" in den Münchner Hofgartenarkaden öffentlich zur Schau gestellt wurden. Über 500 Gemälde, Skulpturen und graphische Arbeiten wurden am 28. August 1937 in einer weiteren Aktion aus den Sammlungen der Kunsthalle entfernt. Im Anschluss wurden einige von ihnen gegen Devisen ins Ausland verkauft, viele allerdings auch zerstört. Von anderen ist der weitere Verbleib seitdem unbekannt. Nur wenige befinden sich heute wieder im Bestand unseres Museums.Zum Abschluss der Ausstellung (Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen, die dem Thema der „Entarteten Kunst“ einen Raum gewidmet hat, stellt am 25. April Prof. Dr. Christoph Zuschlag von der Universität Bonn im Rahmen eines Vortrags das Schicksal eines der 1937 in der Kunsthalle beschlagnahmten Werke im Detail vor. Das Gemälde Die Prise (Der Rabbiner), 1926 von Marc Chagall gemalt und heute im Besitz des Kunstmuseums Basel, zeigt besonders eindrücklich, wie perfide die nationalsozialistische Propaganda gegen die moderne Avantgarde hetzte und dabei nicht zuletzt auch ganz gezielt gegen jüdische Künstler und Kunsthändler Stimmung machte. Vormerken:Sonntag, 25. April 2021, 11.00 UhrVortrag von Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn,"Die Prise (Der Rabbiner) von Marc Chagall – ein Gemälde aus der Kunsthalle Mannheim im Visier nationalsozialistischer Kunstpolitik"Aufgrund der aktuellen Pandemielage ist derzeit noch offen, ob der Vortrag in der Kunsthalle stattfinden kann oder online durchgeführt wird.

Sofia Duchovny wird mit dem 2021 in Mannheim vergebenen Förderpreis der Kunststiftung Rainer Wild ausgezeichnet. Eine Expertenjury aus sechs Kurator*innen und Kunstkritiker*innen verschiedener Institutionen in Deutschland wählte die Künstlerin nach einer Vorauswahl zur Preisträgerin. Im Vorfeld wurden 15 zeitgenössische Künstler*innen für die Vorauswahl vorgeschlagen. Der Förderpreis der Kunststiftung Rainer Wild zeichnet Kunstschaffende aus, die in Deutschland leben und arbeiten und nicht älter als 35 Jahre sind. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und verbunden mit einer Einzelausstellung im STUDIO der Kunsthalle Mannheim. Die Jury hat sich nach einer intensiven Diskussion über verschiedene Favorit*innen einstimmig für die Position von Sofia Duchovny entschieden. Die Künstlerin arbeitet konzeptuell im Bereich Installation, mit skulpturalen und malerischen Arbeiten, sowie mit grafischen Interventionen im öffentlichen Raum. Sie verarbeitet Themen wie die Rolle der Künstlerin in einer von Rollenbildern geprägten Gesellschaft und setzt in ihrer Arbeit immer wieder Humor ein und spielt mit Mitteln der performativen Selbstinszenierung, wobei sie Grenzen von Scham und Peinlichkeit, Öffentlichkeit und Privatheit auslotet. Sofia Duchovny wurde 1988 in Moskau geboren, ist in Deutschland aufgewachsen und studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Städelschule in Frankfurt am Main. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Duchovnys Arbeiten wurden bereits international in Einzel- und Gruppenausstellungen u.a. bei Stadium Berlin, in der Kunsthalle Freeport in Portugal, in der Halle für Kunst e.V. In Lüneburg und an der Kunsthal Aarhus in Dänemark präsentiert.Die 2009 gegründete Kunststiftung Rainer Wild des Heidelberger Unternehmers, Stifters und Kunstsammlers Prof. Dr. Rainer Wild zeichnet mit dem 2015 ins Leben gerufenen Förderpreis bildende Künstler*innen aus ganz Deutschland unter 35 Jahren aus. Auf Wunsch der Stiftung wird der Preis seit 2020 in Mannheim verliehen. Zur diesjährigen Jury gehörten Dr. Sebastian Baden, Kunsthalle Mannheim, Jana Franze, Kunstverein Ludwigshafen, Dr. Julia Friedrich, Museum Ludwig Köln, Sergey Harutoonian, Kunstverein Hannover, Maria Ines Plaza Lazo, Arts of the Working Class und Dr. Anne Vieth, Stiftung Kunstmuseum Stuttgart gGmbH. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 5000 Euro verbunden, das der Künstlerin von der Kunststiftung Rainer Wild übergeben wird.

Die Kunsthalle Mannheim schließt ab dem 16. März 2021 bis auf weiteres aufgrund der Landesverordnung zur Eidämmung der Covid-19-Pandemie, die bei Überschreitung der 100er Marke bei der 7-Tages-Inzidenz einen Museumsbetrieb untersagt. Erst letzte Woche Dienstag, am 9. März 2021, hatte die Kunsthalle ihren Ausstellungsbetrieb mit der Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ nach mehr als vier Monaten Schließzeit öffnen dürfen.„Wir waren überwältigt von dem Ansturm“, so Johan Holten. Die Nachfrage nach Tickets sei enorm gewesen, erklärt der Direktor der Kunsthalle Mannheim. Das Team der Kunsthalle hatte letzte Woche kurzfristig ein System auf ihrer Website bereitgestellt, über das Reservierungen von Zeitfenstern zum Besuch der Ausstellungen möglich waren. „Wir bedauern, dass wir nicht mehr Besucher*innen die Möglichkeit geben konnten, die Ausstellung zu sehen, aber die Einhaltung von Kapazitätsgrenzen haben wir sehr ernst genommen, um unsere Gäste und Mitarbeiter*innen keinesfalls zu gefährden.“Die Kunsthalle Mannheim wird insbesondere zur Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ weiterhin digitale Führungen, Vorträge und Veranstaltungen anbieten. Auch auf den museumseigenen Social Media Kanälen, der KUMA-App und der Website kuma.art können die Besucher*innen Ausstellungsinhalte und Kunstwerke entdecken. „Ich hoffe inständig, dass wir unsere Türen bald wieder analog öffnen können“, wünscht sich Johan Holten.

Kurz vor der geplanten Eröffnung der großen Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ musste die Kunsthalle Mannheim gemäß der Landesverordnung zur Eindämmung der Codiv-19-Pandemie im November 2020 schließen. Nun kann das Museum morgen, am 9. März 2021, ihren Ausstellungsbetrieb unter Schutzauflagen wieder öffnen. Besucher*innen können sich nach Voranmeldung über die Website die große Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ und weitere Ausstellungshighlights ansehen. Geöffnet werden alle Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen im Neubau und Jugendstilbaus. Im Erdgeschoss und 2. OG des Neubaus wird die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ präsentiert, die bisher nur digital zu sehen war. Außerdem können sich die Besucher*innen auf die Regionale „Deltabeben“ freuen, die im Dezember digital eröffnet wurde. Veranstaltungen und Vermittlungsformate wie Führungen und Workshops werden vorerst weiterhin online stattfinden. Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim: „Wir sind überglücklich, unsere Türen morgen wieder öffnen zu können. Die Besucher*innen werden begeistert sein, vor den riesigen Gemälden und Skulpturen Anselm Kiefers zu stehen. Das ist eine Erfahrung, die man vor dem Original machen muss. Uns liegt es außerdem sehr am Herzen, endlich „Deltabeben“ präsentieren zu können, ein Ausstellungsprojekt, mit dem wir Künstler*innen der Region unterstützen.“Zum Schutz der Besucher*innen unterliegt die Öffnung Sicherheitsauflagen, über die die Kunsthalle auf ihrer Homepage informiert. Unter anderem werden alle Besucher*innen gebeten, eine medizinische Schutzmaske zu tragen. Der Zutritt ist ausschließlich nach Voranmeldung über die Website der Kunsthalle Mannheim möglich. Die Reservierung ist für einen festgelegten Termin und ein Zeitfenster von zwei Stunden gültig. Für jeden „Timeslot“ ist ein begrenztes Kontingent festgelegt. Für Inhaber*innen einer Jahreskarte der Kunsthalle ist ein separates Ticketkontingent reserviert.

Für den Künstler Anselm Kiefer sind die mythologischen und naturwissenschaftlichen Deutungen zur Entstehung der Welt, des Lebens und des Universums zentrale Themen. Wie kann es sein, dass etwas ist, und dass nicht Nichts ist? Wie kam es zur Schöpfung bzw. zum Urknall? Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Künstler mit diesen Fragen und zieht dazu Theorien der Astronomie, der Astrologie und der Mystik heran. Die jüdische Kabbala liefert eine mindestens so interessante Erzählung wie die moderne Physik. Das Licht von Gottes Schöpfung hat die Sterne und die Gefäße geschaffen, die die Entstehung des Lebens ermöglichen, schreibt Rabbi Isaak Luria. Und der britische Renaissance-Forscher Robert Fludd hat jeder Pflanze auf der Erde einen Stern im Universum zugeordnet. Er sah also eine Analogie zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, aus der die Einheit zwischen Mensch und Umwelt begründet ist. Für Kiefer sind Literatur und Mythologie Quellen seiner Inspiration.Gerade erst am 18.Februar 2021 wurde die Menschheit Augenzeugin bei einem sensationellen Ereignis: Der NASA ist es gelungen, eine ferngesteuerte Landung auf dem Planeten Mars erfolgreich durchzuführen. Jubel im Kontrollzentrum auf der Erde! Der über Satellit und Funk gelenkte Rover „Perseverance“ wird nun auf dem Mars wissenschaftliche Daten erheben. Nach der Landung der Apollo 11 auf dem Mond 1969 und den erfolgreichen Forschungen auf der Internationalen Raumstation ISS, ist die Mission zum Mars ein neuer, großer Schritt zur Erforschung des Universums und der Planeten im Sonnensystem rund um die Erde. Schon bei Gründung der Stadt wurde, unter der Herrschaft von Maharadscha Jai Singh II. (1686–1743), in Jaipur eine Sternwarte errichtet, von der aus das Universum beobachtet werden konnte. Anselm Kiefer hat seine Bilderserie „Jaipur“ in Bezug auf dieses indische Observatorium angelegt. Das Bild zeigt die Verbindung zwischen Himmel und Erde als eine elementare Einheit. Das Sternenbild „Ras Algheti“ wird als Konstellation des Herkules angesehen. Hier kommen die Architektur der historischen indischen Sternwarte in Rajasthan und die wissenschaftliche Nomenklatur der NASA zusammen. Die Anordnung von Zahlenkolonnen auf dem Bild spiegelt den Blick ins Universum und die Position von Planeten und Sonnen in anderen Galaxien wieder. Anselm Kiefer notiert die Ziffern der NASA auf dem Bild oder auf Glasscherben. In einem „Sternenlager“ seines Ateliers lagert dieses Ordnungssystem, auf das er für seine Bilder und Installationen zurückgreift; als „Sternenfall“ betitelte Kiefer eine große retrospektive Ausstellung im Grand Palais in Paris 2015. Überall in seinen Ateliers schafft der Künstler sich Sternenbilder und Wege, die mit zerbrochenen Glasscheiben aus Sternen auf dem Boden übersät sind.

Die Kunsthalle Mannheim zeigt ab 1. Oktober 2021 mit MUTTER! eine große internationale Ausstellung in Kooperation mit dem dänischen Louisiana Museum of Modern Art. Über das feste Begleitprogramm hinaus möchte das Museum die Auseinandersetzung mit der Thematik „Mutterschaft“ in all ihrer Vielfalt öffnen. Dafür soll ein offenes „Familienzimmer“ eingerichtet werden, für das bis zum 1. April 2021 in einem Open Call Programmvorschläge gesucht werden.Inmitten der Ausstellungsräume der Kunsthalle Mannheim soll im Herbst ein öffentlich zugänglicher und vielfältig nutzbarer Raum geschaffen werden, den Familien, Vereine, Gruppen oder Einzelpersonen für Workshops, Community-Treffen und Gemeinschaftsaktionen kostenfrei nutzen können. Daher lädt die Kunsthalle in der Ausschreibung bisherige Partner*innen und neue Vertreter*innen lokaler, interkultureller Communities, Verbände und Einrichtungen aus den Bereichen Familie, Wissenschaft, Gesellschaft, Soziales und Religion dazu ein, ihre Veranstaltungsideen für das „Familienzimmer“ einzureichen. Als mögliche Formate sind zum Beispiel (Kreativ-)Workshops, Lesegruppen, Musikproben, Community-Aktivitäten oder thematische Gesprächsformate denkbar. Themen könnten unter anderem aus den Ausstellungsinhalten abgeleitet werden: Die Heilige Mutter, Fruchtbarkeit, die Künstler*innen-Mutter, Die Geschichte der Mutterschaft sowie Herkunft, Vorstellungen von Weiblichkeit, Tod und Leben, Debatten über die Rechte von Regenbogenfamilien oder queerer Elternschaft sein.Auf Basis der Einreichungen wird das Team der Kunsthalle Mannheim zusammen mit den einreichenden Personen die Programmgestaltung für das „Familienzimmer“ entwickeln. Sowohl für die Teilnahme an einem gemeinsamen vorbereitenden Workshop wie auch für die Durchführung derVeranstaltungen sind Honorare beziehungsweise Aufwandsentschädigungen vorgesehen.Ob liebevoll oder distanziert, nah oder fern, lebendig oder tot – sie bleibt immer Ursprung und Beginn des menschlichen Lebens: Die Mutter. Kaum ein Begriff, ein Konzept, provoziert vielfältigere Assoziationen, Empfindungen und Rollenklischees. Mit dem internationalen Ausstellungsprojekt „MUTTER!“ (01.10.21–06.02.22) zeigt die Kunsthalle Mannheim in Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art in der Nähe von Kopenhagen, wie die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Mutterschaft in der Kunst - von Alten Meistern, über Werke der frühen Avantgarde bis zur Gegenwart - gespiegelt wird. In der Ausstellung treffen zeitgenössische Kunst, historische Werke, Film und Literatur sowie Artefakte aus der Welt der Wissenschaft und der Populärkultur aufeinander, um das facettenreiche Thema der Mutterschaft zu erzählen.AUF EINEN BLICKAusschreibungAnmeldeschluss: 1. AprilBewerbungen müssen enthalten: Kurze Selbstpräsentation und Statement, Link (zur Ihrer Website, Ihrer Arbeit), Beschreibung Ihrer Idee, technische Informationen sind wichtig, zusammengefasst auf 1-2 Seiten (pdf)Kontakt für Bewerbung und weitere InformationenKunsthalle MannheimDörte Ilsabe Dennemann (Programmkuratorin)doerte.dennemann@mannheim.deT. +49 (0) 62 12 93 64 32doerte.dennemann@mannheim.de

Am MVV-Kunstabend kamen jeden 1. Mittwoch im Monat stets hunderte Besucher*innen in der Kunsthalle Mannheim zusammen, um bei freiem Eintritt die aktuellen Ausstellungen zu entdecken. Am Mittwoch, den 3. März, 19 bis 20.30 Uhr, kehrt das beliebte Format digital zurück und zwar mit einer Premiere: Kunstliebhaber*innen haben die Möglichkeit, in einem Live-Rundgang erste Blicke in die große Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ zu erhalten. Die Veranstaltung bildet den Auftakt für ein umfangreiches digitales Begleitprogramm zur Schau.Am Mittwochabend werden Kunsthallendirektor Johan Holten und Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung, durch den Abend und die Ausstellungsräume im Neubau führen, wo auf zwei Etagen 18 monumentale Skulpturen und Gemälde Anselm Kiefers zu sehen sind. Die Teilnehmer*innen haben die Möglichkeit, Hintergründe zum Schaffen des berühmten deutschen Künstlers zu erfahren und Fragen an das Museumsteam zu stellen. Am 6. März um 15.30 Uhr und am 11. März um 10.30 Uhr führt die Kunsthalle ihre digitalen Angebote zur Ausstellung mit zwei Kuratorenführungen mit Dr. Sebastian Baden fort. Das Symposium „Kosmos Kiefer: Material, Begriffe, Rezeption“ am 12. März um 10 Uhr, beleuchtet in Kurzvorträgen Anselm Kiefers Schaffen aus der Perspektive der jüngsten Forschung.Die Kunsthalle Mannheim würdigt Anselm Kiefer in einer großen Sonderausstellung (bis 22. August 2021), die über vier Räume hinweg Skulpturen und Gemälde aus 30 Jahren zusammenträgt. In einem umfangreichen Begleitprogramm zur Sonderausstellung nimmt die Kunsthalle in Gesprächsveranstaltungen, Lesungen, Konzerten und mehr, Anselm Kiefers Werke und künstlerische Interessen in den Blick. Dazu sind Partner*innen und Referent*innen aus den Bereichen der jüdischen Mystik und Kabbala, der christlichen Ikonografie, der Erinnerungskultur sowie Lyrikund Musik eingeladen, dazu gehören die Jüdische Gemeinde Mannheim und die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V..AUF EINEN BLICKMittwoch, 03.03.21, 19 bis 21 UhrMVV-KunstabendDie Teilnahme ist kostenfrei – MVV KunstabendProgramm18.45 Uhr Einloggen19 bis 19.05 Uhr Begrüßung durch Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim19.05 bis 19.20 Uhr Einführung in die Ausstellung durch Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung „Anselm Kiefer“19.30 bis 19.40 Uhr Gespräch mit Johan Holten über die Werke „Der verlorene Buchstabe“ und „Der fruchtbare Halbmond“19.50 bis 20.30 Uhr Führung zu ausgewählten Werken Anselm Kiefers20.30 Uhr Ausklang mit GesprächsrundeWEITERE VERANSTALTUNGENSamstag, 6. März, 15.30 UhrDonnerstag, 11. März, 10.30 UhrKuratorenführung mit Dr. Sebastian BadenTickets demnächst über www.kuma.art verfügbarFreitag, 12. März, 10 bis 15 UhrSymposium - Kosmos Kiefer: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, RezeptionDas Symposium mit Beiträgen in deutscher und englischer Sprache wird live gestreamtÄnderungen vorbehalten! Aktuelle Informationen finden Sie auf www.kuma.art

Wie können Kunstwerke im digitalen Raum in ihrer einzigartigen Qualität vermittelt werden? Diese Frage hat besonders in Zeiten der Corona-Pandemie neue Aktualität erfahren und steht im Mittelpunkt des Projektes »Vom Werk zum Display«. Das Kunstmuseum Stuttgart und die Kunsthalle Mannheim erforschen seit Februar 2020 gemeinsam Wege, um für 32 ausgewählte Kunstwerke aus den Sammlungen beider Häuser ein innovatives maßgeschneidertes Vermittlungsformat zu schaffen. Möglich ist dieses auf vier Jahre angelegte Vorhaben durch eine Förderung aus dem Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes. Nun befindet sich das Projekt mitten in der ersten Umsetzungsphase.Für jedes der ausgesuchten Werke – darunter Objekte aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten – wird aktuell eine individuelle digitale Präsentationsform entwickelt. Darauf folgt die technische Umsetzung. An diesem kreativen Prozess wie auch an seiner Steuerung sind Mitarbeiter:innen aus den verschiedenen Abteilungen beider Museen beteiligt – von den Kommunikations- und Kunstvermittlungsteams über die wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen bis hin zu den Verwaltungen. Seit September 2020 besteht eine Zusammenarbeit mit der in Wien ansässigen Fluxguide Ausstellungssysteme GmbH. Die momentanen Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie stellen auch für das Projekt eine Herausforderung dar: So finden, anders als geplant, die Diskussionen um das einzelne Werk nicht vor dem jeweiligen Original statt. Der Gedankenaustausch zwischen den Beteiligten aus Stuttgart, Wien und Mannheim beschränkt sich ausschließlich auf Online-Konferenzen.Schon in der jetzigen Phase entstehen Ideen, die auf ein vielfältiges Angebot auf dem Gebiet der digitalen Kunstvermittlung blicken lassen. Wilhelm Leibls Gemälde »Die rechte Hand aus dem Langbehn-Bildnis« von 1877 aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim wird etwa in eine Anwendung übersetzt, bei der die Nutzer:innen die detailliert porträtierte Handhaltung des Kunstkritikers Langbehn selbst nachstellen und entdecken können. Im sogenannten »Hand-O-Mat« kann das Foto der eigenen Geste zur Bildersuche ähnlicher Handhaltungen in der Kunstgeschichte genutzt werden. Dafür steht eine Datenbank aus den Sammlungsbeständen beider Museen und darüber hinaus zur Verfügung.So einzigartig die 32 Kunstwerke sind, für die im Rahmen des Projekts digitale Vermittlungswege gefunden werden, so außergewöhnlich sind die Lösungsideen. Bei »Equalizer [Sound Graphs]«, ein im Kunstmuseum Stuttgart befindliches Gemälde von Sarah Morris aus dem Jahr 2017, wird der Entstehungsprozess hinter dem Werk vermittelt. Die digitale Vermittlungsstrategie korres-pondiert mit dem Titel, indem neue Ebenen über das Visuelle hinaus enthüllt werden. Die Nutzer:innen sind dabei aktiv zum Hören, Sprechen und Komponieren eingeladen. Die digitale Transformation einzelner Bildelemente bietet ihnen die Möglichkeit, den künstlerischen Prozess selbst nachzuahmen, indem sie eine eigene Sprachaufnahme vornehmen, anhand derer sie ihr »Equalizerwerk« erschaffen können. Das Gemälde wird somit für die Nutzer:innen zum virtuellen Instrument. Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim: »Spätestens die Corona-Pandemie und die Schließung der Museen hat uns gezeigt, dass wir in der digitalen Vermittlung über das reine Abbilden von Werken schnell an unsere Grenzen stoßen. Deshalb erforschen wir in diesem Projekt, welche zusätzlichen Möglichkeiten geschaffen werden können, um Werke plastischer, spannender und erkenntnisreicher zu vermitteln – und das über Alltagsgeräte wie das Smartphone. Ich bin sehr glücklich über die ersten Ergebnisse.«»Die technologischen Umbrüche fordern mit ihrer zunehmenden Komplexität Veränderungen in vielen Bereichen. Seit einem Jahr arbeiten wir deshalb intensiv an »Vom Werk zum Display«. Das gemeinsame Projekt macht viel Freude, weil Denkbarrieren fallen und kreative Ideen nur so sprießen, woraus neue und unterschiedliche Formate im Bereich der Vermittlung von Kunst entstehen«, sagt Dr. Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, zur ersten Umsetzungsphase.Im Winter 2019 hatte die Jury des Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes 15 außergewöhnliche digitale Projekte ausgewählt. Die Kunsthalle Mannheim und das Kunstmuseum Stuttgart gehören zu den Geförderten und erhielten gemeinsam eine Summe von 880.000 Euro. Der Fonds Digital, eine Säule im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes, ermöglicht öffentlich finanzierten Kultureinrichtungen im Verbund, gemeinsam mit Digitalen Partner:innen modellhafte digitale Angebote zu entwickeln und mit neuen digitalen Ästhetiken und Ausdrucksformen zu experimentieren.

Was ist die optimale Präsentationsform eines Kunstwerks im digitalen Raum? Diese einfache, gleichzeitig aber äußerst kompliziert zu beantwortende wie zu realisierende Fragestellung steht im Mittelpunkt des Projektes Vom Werk zum Display. Zusammen mit dem Kunstmuseum Stuttgart versucht die Kunsthalle Mannheim seit Februar 2020, für 32 ausgewählte Kunstwerke aus den Sammlungen beider Häuser ganz konkrete Antworten darauf zu finden. Möglich ist dieses innovative, auf vier Jahre angelegte Vorhaben durch eine Förderung im Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes.Derzeit befindet sich das Projekt mitten in einer ersten Umsetzungsphase. Für jedes der ausgesuchten Werke – darunter Objekte aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten – wird aktuell nach einer individuellen digitalen Präsentationsform gesucht. Erst in einem weiteren Arbeitsschritt wird es dann zu deren technischer Umsetzung kommen. An diesem äußerst kreativen Prozess wie auch an seiner Steuerung sind Mitarbeiter*innen aus den verschiedenen Abteilungen beider Museen beteiligt – von den Marketing-Abteilungen über die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen bis hin zu den Verwaltungen. Seit September 2020 besteht darüber hinaus eine Zusammenarbeit mit der in Wien ansässigen Fluxguide Ausstellungssysteme GmbH. Die momentanen Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie stellen auch für unser Projekt eine große Herausforderung dar: So finden, anders als geplant, die Diskussionen um das jeweilige Objekt natürlich nicht vor Ort und dem jeweiligen Original statt. Der Gedankenaustausch zwischen den Beteiligten aus Stuttgart, Wien und Mannheim beschränkt sich aktuell ausschließlich auf Online-Konferenzen.        Aber auch in der rein digital geführten Kommunikation entwickeln sich Ideen, was sich z. B. anhand des 1927/28 entstandenen Gemäldes Großstadt von Otto Dix zeigen lässt. Besondere Merkmale dieses dreiteiligen, in Öl auf Holz gemalten Werks aus der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart bilden seine komplexe Erzählung wie auch die vielen Brüche in den nur scheinbar realistisch wiedergegebenen einzelnen Raumstrukturen. Die bisher angedachten Ansätze zielen insbesondere darauf ab, diese beiden Aspekte herauszuarbeiten und den Nutzern der späteren digitalen Anwendung vor Augen zu führen. Untermalt von einem auf die jeweilige Szene abgestimmten Klangteppich sollen etwa einzelne Protagonisten wie das tanzende Paar der Mitteltafel als Avatare in das Bildgeschehen einführen. Dabei können sie von den Nutzern gleichzeitig gezielt gesteuert werden, um den Bildraum frei erkunden zu können. Gefördert im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes 

Fastnacht steht vor der Tür und wir können es nicht feiern. Die Corona-Pandemie macht unseren Wünschen nach Ausgelassenheit, Verkleidung, Maskierung und temporärem „Über-die-Stränge-Schlagen“ einen Strich durch die Rechnung. Das Interesse an den Aspekten der sogenannten fünften Jahreszeit war auch bei Künstlern von jeher von großer Bedeutung. Der zweite Direktor der Kunsthalle Mannheim Gustav Friedrich Hartlaub widmete dem Thema „Fastnacht in der Kunst“ 1926 gar eine eigene Ausstellung. Und er war Mitglied der Jury für die schönsten Masken, ein Preis, der in den 1920ern jährlich verliehen wurde. So wundert es auch nicht, dass er ein 1925 entstandenes Gemälde von Max Beckmann ankaufte, das den Titel „Fastnacht“ oder „Pierrette und Clown“ trägt und in dem es um Verkleidung und Rollenspiel geht.Max Beckmann (1884-1950) gilt als eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Bereits in den 1920er-Jahren erwarb die Kunsthalle Mannheim mehrere Hauptwerke des Künstlers, darunter „Fastnacht“ und widmete ihm 1928 eine große Einzelausstellung. Heute befinden sich vier Gemälde und 36 Papierarbeiten des Künstlers im Besitz der Kunsthalle. Das Bild „Fastnacht“ hat im Übrigen auch eine besondere Geschichte. Es wurde 1937 von den Nationalsozialisten in der Kunsthalle beschlagnahmt und kam 1950 als Schenkung von Günther Franke wieder nach Mannheim zurück: eine der seltenen Beispiele für die Rückkehr verlorener Kunstwerke in unserer Museumsgeschichte.Wer verbirgt sich hinter den beiden dargestellten Figuren? In der rechten Bildhälfte ist Beckmanns zweite Frau Mathilde Kaulbach, vom Künstler liebevoll »Quappi« genannt und hundertfach gemalt, als attraktive Tänzerin dargestellt. Sie sitzt selbstsicher mit übergeschlagenen Beinen und betrachtet aufmerksam etwas, das unseren Blicken verborgen bleibt. Das Alter Ego des Künstlers, der sich auch in anderen Porträts immer wieder in einen Clown und Narr verwandelt, zeigt sich hinter ihr in akrobatischer Verrenkung. Sein Gesicht ist durch ein Tuch verhüllt, er gibt sich nicht zu erkennen. Seine Position ist bedrängt und ohne Bewegungsfreiheit, er hat im wahrsten Sinn des Wortes den Boden unter den Füßen verloren. Der Künstler hatte Mathilde Kaulbach im September 1925 geheiratet. Im selben Jahr erscheint sie in „Fastnacht“ erstmals in einem seiner Bilder und wird zum Bestandteil seines Welttheaters, das vielfach mit Verkleidungen, sozialen Rollen und religiösen oder mythologischen Symbolen spielt. Beckmanns Gemälde zeigt zwei Arten, der Welt zu begegnen: Während sich der Clown verschließt und nur durch einen schmalen Spalt seine Umgebung betrachten kann, setzt sich die attraktive Pierrette, eine Figur der italienischen Commedia dell‘ arte, der Welt und dem betrachtenden Gegenüber selbstbewusst aus. Letztlich vereint das Gemälde drei Motive, die Max Beckmanns Gesamtwerk durchziehen: das Selbstporträt, das Paarbildnis und die Fastnachtsdarstellung. Beckmanns Hauptthema war der Mensch in seiner existenziellen Ohnmacht und Hilflosigkeit. Motive aus Zirkus, Theater und Karneval tauchen in seinem Œuvre immer wieder als Metaphern für das Leben als großes Bühnengeschehen auf. Gleichzeitig hat er in zahlreichen Paarbildnissen das emotionale und sexuelle Verhältnis zwischen den Geschlechtern thematisiert.  „Wir sind alle Seiltänzer. Bei ihm ist’s wie in der Kunst, so auch bei allen Menschen der Wille, das Gleichgewicht zu erreichen und zu erhalten“,  schrieb er 1948.Ein anderer Künstler, der sich immer wieder mit Karnevalsmotiven auseinandersetzte, war der Belgier James Ensor (1860-1949). Geprägt und inspiriert durch das exzessive Karnevalstreiben in seiner Heimatstadt Ostende und durch den elterlichen Souvenirladen, in dem Karnevalsmasken verkauft wurden, avancierte er zum „Maler der Masken“. Er verstand es wie kein zweiter, das Thema der Maske als Motiv der Verhüllung, Verfremdung und Demaskierung mit dem Thema des Todes zu verbinden: Die Welt als Bühne, auf der wir Masken tragend Kämpfe ausfechten, Fantasien ausleben, immer im Angesicht der eigenen Vergänglichkeit. Ab dem 11.6.21 widmen wir dem belgischen Künstler eine große Ausstellung.Max Beckmann und James Ensor sind sich im Übrigen 1915 persönlich begegnet. Als der junge deutsche Künstler sich während seines Einsatzes als Sanitäter im Ersten Weltkrieg in Flandern aufhielt, hat er den damals schon arrivierten Kollegen in Ostende besucht. Leider ist nicht überliefert, worüber die beiden sich ausgetauscht haben. Gern hätte man dem Gespräch gelauscht.