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Eine der wichtigsten Inspirationsquellen Anselm Kiefers ist die jüdische Kabbala. Besonders mit dem Schöpfungsmythos der gebrochenen Gefäße “Shebirat Ha Kelim“ beschäftigt sich der Künstler in seinen Werken. Prof. Dr. Eveline Goodman-Thau, Rabbinerin und Professorin für jüdische Religions- und Geistesgeschichte sowie Prof. Dr. Christian A. Bauer von der HBK Saar, diskutieren mit Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung „Anselm Kiefer“, am Mittwoch, den 2. Juni 2021, um 19.30 Uhr, Kiefers Beitrag zum kulturellen Gedächtnis. Die Veranstaltung findet digital statt.Anselm Kiefer stellt in seinen Werken die Zerstörung und Vernichtung dar, denen er Schöpfung und Neuanfänge entgegensetzt. Er schöpft dabei aus kulturellen Traditionen und schafft so einen Beitrag zur europäischen Erinnerungskultur. Prof. Dr. Dr. h.c. Eveline Goodman-Thau ist Professorin für Jüdische Religions- und Geistesgeschichte und Rabbinerin. Neben ihren Lehrtätigkeiten in Berlin und Wien ist sie Gründerin und Direktorin der Hermann-Cohen-Akademie für Religion, Wissenschaft und Kunst. Mit Publikationen zur jüdischen Kabbala und dem jüdischen Erbe Europas beschäftigt sie sich mit ähnlichen Themenschwerpunkten wie Anselm Kiefer in seinen Werken.Die Kunsthalle Mannheim würdigt Anselm Kiefer in einer großen Sonderausstellung (bis 22. August 2021), die über vier Räume hinweg Skulpturen und Gemälde aus 30 Jahren zusammenträgt. In einem umfangreichen Begleitprogramm zur Sonderausstellung nimmt die Kunsthalle in Gesprächsveranstaltungen, Lesungen, Konzerten und Online-Führungen Anselm Kiefers Werke und künstlerische Interessen in den Blick. Dazu sind Partner*innen und Referent*innen aus den Bereichen der jüdischen Kultur, der christlichen Theologie sowie Lyrik und Musik eingeladen, darunter die Jüdische Gemeinde Mannheim und die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V.AUF EINEN BLICKProgrammPlus:Mittwoch, 02.06.21, 19.30 UhrKosmos Kiefer: Echos der Erinnerung. Anselm Kiefers Beitrag zum kulturellen GedächtnisMit Rabbinerin Eveline Goodman-Thau und Christian A. Bauer, HBK SaarKosten: 5 €

Die Sammlung der Kunsthalle Mannheim soll in Zukunft um vier Werke regionaler und junger internationaler Künstler*innen erweitert werden. Mit diesem Schwerpunkt zeigt das Museum mit Unterstützung des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. Solidarität mit freischaffenden Künstler*innen in der Krise. „Freischaffende bildende Künstler*innen haben im vergangenen Jahr erhebliche finanzielle Einbußen erlitten, da sie aufgrund der Schließung von Galerien und Absagen von Ausstellungen und Messen ihre Werke nicht mehr präsentieren und verkaufen konnten,“ erklärt Verena Eisenlohr, Vorsitzende des Förderkreises. Kunsthallendirektor Johan Holten und das Kurator*innen-Team der Kunsthalle haben dem Vorstand und dem Kuratorium des Förderkreises daher verschiedene regionale und junge internationale Positionen für die Erweiterung der Sammlung vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um die Mannheimer Künstlerin Barbara Hindahl, deren Ausstellung Fake & Fiction im vergangenen Jahr im Jugendstilbau der Kunsthalle zu sehen war, die junge Künstlerin Elsa Guillaume aus Frankreich, deren Werke 2020 im Studio präsentiert wurden sowie die in der derzeitigen Ausstellung Deltabeben. Regionale 2020 präsentierten Künstler*innen Myriam Holme und emmanuel boos. In einem Mitgliederanschreiben hat der Förderkreis seine Mitglieder über die geplanten Ankäufe sowie die Möglichkeit informiert, den Ankaufetat mit zweckgebundenen Spenden zu unterstützen. So können sich Förderkreismitglieder auch schon mittels kleinerer Beträge solidarisch mit den freischaffenden bildenden Künstler*innen in der Krise zeigen. Diese Möglichkeit steht auch Nichtförderkreismitglieder zur Verfügung. Der Förderkreis und die Kunsthalle freuen sich über ein breites bürgerschaftliches Engagement für einen Zusammenhalt in der Krise. Vor 40 Jahren wurde der Förderkreis für die Kunsthalle Mannheim e.V. als gemeinnütziger Verein von einer Gruppe kunstinteressierter Mannheimer Bürger*innen gegründet. Ziel war es, die Sammlung der Kunsthalle kontinuierlich auszubauen und die Arbeit der Kunsthalle vielfältig zu fördern. Inzwischen zählt der Verein über 2.300 Mitglieder, die die Kunsthalle finanziell und ideell unterstützen. Dank der Mitglieder und weiterer Förderer hat der Förderkreis eine beachtliche Sammlung von Kunstwerken erwerbenkönnen, die er der Kunsthalle als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt. Über die Auswahl der anzukaufenden Werke stimmen sich die Direktion der Kunsthalle und der Vorstand des Förderkreises unter Einbeziehung des Kuratoriums regelmäßig ab. Zuletzt konnte die Installation „Resonanzraum“ von Nevin Aladağ erworben werden, die erstmals 2020 im Rahmen der Ausstellung „Umbruch“ zu sehen war. Nähere Informationen zu dem Förderkreis unter www.foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de

Mit der Eröffnung des Neubaus der Kunsthalle Mannheim im Jahr 2018 wurde neben den Sammlungs- und Ausstellungsräumen auch ein Raum eingerichtet, der nicht den üblichen Präsentationsformen folgt: das Schaudepot. Einer Wunderkammer gleich erzählt der Raum von den Kernaufgaben, die die Gesellschaft den Museen übertragen hat: sammeln und bewahren, ordnen und zeigen. Bekanntlich kann immer nur der kleinste Teil des Kunstbestandes in den Sammlungsräumen präsentiert werden und immerhin umfasst die Sammlung der Kunsthalle Mannheim rund 2.300 Gemälde, 860 Skulpturen und Installationen, 34.000 Grafiken und 800 Objekte der angewandten Kunst.Im Gegenzug zu den nach Themen kuratierten Räumen des Alt- und Neubaus füllt sich das Schaudepot der Kunsthalle also als „Stauraum“ nach anderen Ordnungsmustern. Hier geht es darum, auf kleinster Fläche möglichst viele Werke für Besichtigung und Erforschung zugänglich zu machen – ohne Rücksicht auf Bedeutung, Epoche, Stil und Thema. Berühmte Namen erscheinen neben längst vergessenen oder gänzlich unbekannten, internationale Namen neben denen aus der Region. An den Wänden hängen die Gemälde auf Metallgittern, in der Raummitte ragt das sogenannte Schwerlastregal in die Höhe und beherbergt in verschiedenen Fächern unterschiedlichste Skulpturen, etwa eine Versammlung von Porträtköpfen. So werden hier Werke zu Nachbarn, die in einem Ausstellungsraum vermutlich nie miteinander konfrontiert worden wären. Dadurch ergeben sich irritierende, aber auch bisweilen sehr fruchtbare Bezüge und Dialoge, die vom Zufall geprägt sind. Das Bestreben der BesucherInnen, Sinn- oder Formzusammenhänge herzustellen, wird hier ad absurdum geführt oder regt viel mehr zu vergleichendem Sehen an.Deutlich wird auch, wie vielfältig und heterogen letztlich eine Museumssammlung ist, geprägt über Jahrzehnte von unterschiedlichen Interessen und Akzentsetzungen, aber auch finanziellen Möglichkeiten. Auch Schenkungen und Dauerleihgaben – etwa des Förderkreises –  sind darunter. Und wir sehen auch Werke, die konservatorisch in keinem guten Zustand sind, die Paten suchen, welche uns helfen, eine Restaurierung zu ermöglichen. Denn auch das ist eine wichtige Museumsaufgabe: Das uns anvertraute Museums- und Kulturgut für künftige Generationen zu erhalten und zu pflegen – eine Aufgabe, die leider oft in den Hintergrund tritt.Die Reaktion unserer Museumsgäste auf das Schaudepot ist sehr unterschiedlich: Viele sind begeistert und fühlen sich inspiriert, andere fühlen sich von der Dichte ästhetisch überfordert.  Schauen Sie selbst, sobald wir wieder geöffnet haben, und lassen Sie sich auf den Raum ein, Entdeckungen sind garantiert!Übrigens: Eine Reise wert ist der Besuch des 2020 eröffneten Depots des Museums Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Hier findet sich in aufregender Architektur das erste riesige Schaudepot der Welt, das Zugang zur kompletten Sammlung eines Museums mit ca. 151.000 Kunstwerken bietet.

„Die große Fracht des Sommers ist verladen, das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit (…)“ Das Gedicht „Große Fracht“ von Ingeborg Bachmann inspirierte Anselm Kiefer zu seinem gleichnamigen Werk, in dem ein riesiges Flugzeug aus Blei, eine Hommage an das „Sonnenschiff“, scheinbar über einer Landschaft schwebt. Ina Hartwig, Autorin des Buches „Wer war Ingeborg Bachmann?“ ist am Sonntag, den 19. Mai 2021, um 19 Uhr, digital zu Gast in der Kunsthalle und spricht mit Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung „Anselm Kiefer“, über Bachmanns Dichtung als Inspirationsquelle für das Werk des Künstlers. Anselm Kiefer lässt sich in seinen Werken häufig von literarischen Quellen inspirieren. Mehrere seiner Gemälde sind mit Zeilen aus Gedichten, Zitaten und Namen aus der Antike, Mythologie oder der Bibel versehen. Für seine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte bilden u.a. die Gedichte von Ingeborg Bachmann und Paul Celan zwei feste Orientierungspunkte. Ina Hartwig, Autorin und Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, führte für die Biografie „Wer war Ingeborg Bachmann?“ Gespräche mit Zeitzeugen wie Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser oder Henry Kissinger und entdeckt eine Persönlichkeit hinter der bekannten Oberfläche: Ingeborg Bachmann als politisch denkende Intellektuelle und Medienprofi, als Dichterin, die trotz all ihrer Gefährdungen überrascht mit Witz und lebenspraktischer Klugheit. Ina Hartwig war neben ihrer Lehrtätigkeiten u.a. an der FU Berlin viele Jahre lang verantwortliche Literaturredakteurin bei der Frankfurter Rundschau und arbeitete ab 2010 als freie Kritikerin, Autorin und Jurorin. Seit 2016 ist sie Kulturdezernentin in Frankfurt am Main. Die Kunsthalle Mannheim würdigt Anselm Kiefer in einer großen Sonderausstellung (bis 22. August 2021), die über vier Räume hinweg Skulpturen und Gemälde aus 30 Jahren zusammenträgt. In einem umfangreichen Begleitprogramm zur Sonderausstellung nimmt die Kunsthalle in Gesprächsveranstaltungen, Lesungen, Konzerten und Online-Führungen Anselm Kiefers Werke und künstlerische Interessen in den Blick. Dazu sind Partner*innen und Referent*innen aus den Bereichen der jüdischen Kultur, der christlichen Theologie sowie Lyrik und Musik eingeladen, darunter die Jüdische Gemeinde Mannheim und die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. AUF EINEN BLICKProgrammPlus:Sonntag, 19.05.21, 19 Uhr Kosmos Kiefer: „Woher diese Inspiration? Ingeborg Bachmann und Anselm Kiefer“Lesung von Ina Hartwig und Gespräch mit Dr. Sebastian BadenTicket: 5€Tickets für die Veranstaltungen sind über folgenden Link erhältlich: https://shop.kuma.art

Seit seinen ersten Reisen nach Israel in den frühen 1980er Jahren übt die jüdische Religion eine besondere Faszination auf Anselm Kiefer aus. Auch in vielen Werke, die in der Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim zu sehen sind, finden sich Bezüge zur mystischen Tradition der Kabbala wieder. In Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Mannheim sind Interessierte am Sonntag, den 2. Mai und Sonntag, den 30. Mai 2021, jeweils um 11 Uhr, dazu eingeladen, ausgewählte Werke Kiefers über Gesang und Gespräche neu zu entdecken. Zu Gast ist Kantor Amnon Seelig. Die Veranstaltungen finden digital statt.Musik und Gesang spielen in der jüdischen Religionsausübung eine zentrale Rolle. So wird Kantor Amnon Seelig von der Jüdischen Gemeinde Mannheim singen und erklären welche Bedeutung und Wirkung Musik in der Kabbala und der jüdischen Mystik hat. Darüber hinaus geht Seelig im Austausch mit dem Kurator der Ausstellung, Dr. Sebastian Baden, am 2. Mai auf das Gemälde „Lilith“ und am 30. Mai auf „Shebirat Ha Kelim“ ein. Die mythologische Figur der Lilith, die Anselm Kiefer in seiner Arbeit auf einen schwarzen Haarschopf reduziert, ist nach talmudischen Quellen Adams erste Frau im Paradies, die sich ihm aber nicht unterwerfen will. Das bleischwere Bild „Shebirat Ha Kelim“ erzählt wie es, laut Kabbala, während des Schöpfungsprozesses zum Bruch der Gefäße kam, symbolisiert durch die Scherben der Zerstörung.Die Kunsthalle Mannheim würdigt Anselm Kiefer in einer großen Sonderausstellung (bis 22. August 2021), die über vier Räume hinweg Skulpturen und Gemälde aus 30 Jahren zusammenträgt. In einem umfangreichen Begleitprogramm zur Sonderausstellung nimmt die Kunsthalle in Gesprächsveranstaltungen, Lesungen, Konzerten und Online-Führungen Anselm Kiefers Werke und künstlerische Interessen in den Blick.Dazu sind Partner*innen und Referent*innen aus den Bereichen der jüdischen Kultur, der christlichen Theologie sowie Lyrikund Musik eingeladen, darunter die Jüdische Gemeinde Mannheim und die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V.AUF EINEN BLICKProgrammPlus:Sonntag, 02.05.21, 11 UhrKosmos Kiefer: Von dem Gesang des Landes: Die Musik, die Seele und Anselm Kiefers Werk „Lilith“Kosten: 5 €Sonntag, 30.05.21, 11 UhrKosmos Kiefer: Tikkun Olam: Musik als Heilmittel der Welt und Anselm Kiefers Werk „Shebirat Ha Kelim“Kosten: 5 €Tickets für beide Veranstaltungen sind über folgenden Link erhältlich: https://shop.kuma.art

Autorinnen: Daniela Hedinger, Kerstin Kracht und Katrin RadermacherWelcher Schwingschutz ist der Beste für ein Gemälde? Was bedeuten Vernähungen und Verklebungen von Rissen eigentlich für die mechanische Stabilität eines Bildes? Diesen Fragen stellen sich die Restauratorin Daniela Hedinger und Prof. Dr. Ing. Kerstin Kracht, Ingenieurin für Schwingungstechnik und Strukturmechanik, unter der Obhut von Katrin Radermacher, Restauratorin an der Kunsthalle Mannheim, gegenwärtig.Das Forschungsteam greift damit die Schwingungsuntersuchungen an dem Gemälde „Fastnacht“ von Max Beckmann (1925) während der Restaurierung in den Jahren 2017 und 2018 auf, um diese systematisch fortzuführen. Hierfür werden künstlich gealterte Gemäldedummies mit spezifischem Bildträger, Malschichtaufbau und Schädigung in verschiedenen Konfigurationen schwingungsmesstechnisch untersucht.Die Konfigurationen beinhalten künstlich eingebrachte Risse, die Daniela Hedinger entweder mit ihrer eigenen Methode vernäht oder ganz klassisch verklebt hat. Auch werden verschieden aufgebaute Schwingschutzkonstruktionen im Hinblick auf ihre schwingungsreduzierende Wirkung untersucht und bewertet. Die Methode und den Versuchsaufbau zur Datenerfassung und -bewertung hat Prof. Kerstin Kracht während ihrer langjährigen Forschungen an der TU Berlin und als freiberufliche Ingenieurin entwickelt.Bereits die Arbeiten an Beckmanns „Fastnacht“ beinhalteten die Evaluierung des Schwing- und Rückseitenschutzes. Ziel war eine nachhaltige und präventive Konservierung des Bildes. Die animierten gemessenen charakteristischen Schwingungsformen haben erheblich zum Verständnis der Wirkungsweise des installierten Polyestervlieses beigetragen. Die Ergebnisse wurden auf dem Symposium „Alles schwingt“ am 29./30.06.2018 in der Kunsthalle Mannheim vorgetragen. Nachgelesen werden können diese in dem Artikel „Vibrierende Kunst“ (RESTAURO 7/2018 S. 45-49).Die Ergebnisse der aktuellen Forschungsarbeiten werden am 05. Juni 2021 auf der Tagung des VDR „Tragfähig? – Konservierung und Technologie textiler Bildträger“ präsentiert.

Mehr als sechs Jahre wurde in der Sammlung der Kunsthalle Mannheim nach sogenannter Raubkunst geforscht. Die Ergebnisse dieses langjährigen Prozesses führte Provenienzforscher und Kurator Dr. Mathias Listl in der Ausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ eindrücklich zusammen. Die Ausstellung, die zusammen mit dem Neubau der Kunsthalle am 1. Juni 2018 eröffnete, findet am Sonntag, den 25. April 2021, um 11 Uhr, mit dem Vortrag des internationalen Experten auf dem Gebiet der „entarteten Kunst“ Prof. Dr. Christoph Zuschlag ihren Abschluss. Ab dann wird die Präsentation digital als 3-D-Rundgang über die Website der Kunsthalle verfügbar sein. In seinem Vortrag geht der Bonner Kunsthistoriker Christoph Zuschlag auf die 600 1937 in Mannheim als „entartete Kunst“ beschlagnahmten Werke ein, besonders auf das Ölgemälde „Die Prise (Der Rabbiner)“ von Marc Chagall. Denn gerade dieses Werk, das sich heute in der Sammlung des Kunstmuseums Basel befindet, wurde von der nationalsozialistischen Hetzkampagne besonders stark angefeindet. Zuschlag zeichnet das wechselhafte Schicksal des Gemäldes zwischen seinem Entstehungsjahr 1926 und 1939, dem Jahr seiner Erwerbung durch das Kunstmuseum Basel, detailliert nach. 1933 stand es im Fokus der Propaganda-Ausstellung „Kulturbolschewistische Bilder“ der Kunsthalle Mannheim, wurde danach zur Verspottung auf einem Wagen durch die Stadt gezogen und in Schaufenstern ausgestellt. Auch in der vierjährigen Wanderausstellung „Entartete Kunst“, die in München ihren Anfang nahm, wurde „Der Rabbiner“ unter Schmähsprüchen gezeigt. Die Präsentation „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ (01.06.18  – 25.04.21) veranschaulicht die Auswirkungen, die die Zeit des Nationalsozialismus bis heute auf die Kunsthalle Mannheim, ihre Sammlung sowie auf die mit dem Museum verbundenen Menschen hat. Ein Fokus liegt auf dem dauerhaften Verlust von über 500 Werken, den das Museum 1937 im Zuge der Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ erlitten hat. Deutlich wird aber auch, dass die Kunsthalle Mannheim nicht ausschließlich als Opfer zu begreifen ist. In der Ausstellung wird mit den „Kulturbolschewistischen Bildern“ gleichzeitig auch der Blick auf jene 1933 von der Kunsthalle Mannheim durchgeführte Propaganda-Ausstellung gelenkt, die am Anfang der nationalsozialistischen Hetzkampagnen gegen die moderne Avantgarde steht. AUF EINEN BLICK Titel: (Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“Laufzeit: 01.06.18  – 25.04.21Kurator: Dr. Mathias ListlOnline-Rundgang durch die Ausstellung Sonntag, 25.04.21, 11 UhrOnline-Vortrag von Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Uni Bonn„Die Prise (Der Rabbiner)“ von Marc Chagall – Vom Schicksal eines als „entartet“ diffamierten GemäldesTicket: 5€Im Ticket-Shop unter folgendem Link verfügbar: https://shop.kuma.art/#/product/event/257?date=2021-04-25&date_id=6279

Autorinnen: Vanessa Bellon, Lea Defren und Anne-Sophie Joos-ArpEs geht darum, sich zu orientieren und Neues kennenzulernen: ein exklusives Jahr, um Erfahrungen zu sammeln, Einblicke in das Berufsleben zu erhaschen und sich persönlich weiterzuentwickeln. In einem Freiwilligen Sozialen Jahr übernimmt man Eigenverantwortung, ebenso wie Verantwortung für andere. In der Kunsthalle Mannheim lernen wir das ganz besonders kennen: Hand in Hand gehen Wissenschaft und Marketing, die Kunstvermittlung und die Verwaltung. Wir – das sind Anne-Sophie, Lea und Vanessa – machen von September 2020 bis August 2021 unser Freiwilliges Soziales Jahr in der Kunsthalle in den Bereichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Kommunikation und der Kunstvermittlung. Hier lernen wir Abteilungsstrukturen kennen, das Planen und Durchführen von Projekten und die Selbstdarstellung einer Institution in der Öffentlichkeit. Nur vage hätten wir noch vor einem Dreivierteljahr ahnen können, wie viele Überlegungen eine Ausstellung während ihrer Entwicklung bedarf. An der Konzeption sind viele Menschen beteiligt, man trifft sich in zahlreichen Meetings, plant und bereitet vor, überlegt sich Begleitprogramm und Special Events. Doch ebenso wenig hätten wir uns das Gefühl träumen lassen, bei einer Eröffnung das erste Mal in den Ausstellungsräumen zu stehen und zu spüren, wofür man gearbeitet hat. Auch die positive Resonanz der Besucher*innen vollendet das Bild eines erfolgreichen Events. Diese Empfindungen sind wohl die einprägsamsten Erlebnisse dieses Jahres.Neben der Mitarbeit in den Abteilungen, ist ein wichtiger Bestandteil eines FSJs ein sogenanntes „eigenverantwortliches Projekt“ zu entwickeln, bei dem die Planung und Durchsetzung einer eigenen Idee in unserer Hand liegt. Durch die aktuelle Situation ist ein Aufgabenbereich besonders in den Vordergrund gerückt: die digitale Kommunikation. Bei Online-Führungen und -Events sind wir in der Vorbereitung involviert, unterstützen durch die Technikbetreuung oder mit einer Beratungshotline. Die digitalen Veranstaltungen bieten die Chance, mit Museumsbesuchern und Experten verschiedener Fachbereiche ins Gespräch zu kommen – und zu lernen! Denn das ist, was ein Freiwilliges Soziales Jahr bieten soll.Zwölf Monate lang lernen wir also die Strukturen und Abläufe eines Kunstmuseums kennen, dürfen hinter die Kulissen großer Ausstellungen wie Anselm Kiefer und James Ensor blicken und können die Kunsthalle Mannheim aus einer internen Perspektive erleben. Wir dürfen Kommunikationskonzepte einsehen, Veranstaltungen wie zum Beispiel den MVV-Kunstabend oder das Symposium zur Ausstellung Anselm Kiefer betreuen und die Posts für die Social-Media-Kanäle mitentwickeln. Wenn wir drei im Herbst auf unser Freiwilligenjahr zurückblicken werden, können wir uns an wunderschöne Augenblicke zwischen Kunst und Alltag erinnern.

„Wirklich großartig“, „vielen Dank für diesen tollen Abend“, „das hat super viel Freude gemacht“ – begeisterte Stimmen erreichten das Team der Kunsthalle Mannheim nach dem ersten digitalen MVV-Kunstabend Anfang März, an dem mehr als 500 Personen teilnahmen. Die neue Online-Variante des Veranstaltungsformats, das jeden ersten Mittwoch im Monat kostenfrei Einblicke in das Mannheimer Museums ermöglicht, geht am Mittwoch, 7. April, 19 bis 20.30 Uhr, in die zweite Runde. Dieses Mal führt der Rundgang zu weiteren Werken der Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ und zu neuen sowie bekannten Sammlungshighlights. Die Veranstaltung wird über youtube gestreamt und ist kostenfrei zugänglich.Kunsthallendirektor Johan Holten, Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung, sowie Kunstvermittlerinnen des Hauses werden die Teilnehmer*innen ab 19 Uhr durch ein abwechslungsreiches Abendprogramm führen. Besucher*innen, die schon das letzte Mal dabei waren, können sich auf erweiterte Einblicke in die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ freuen. Von den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss, in denen berühmte Werke Kiefers wie „Volkszählung“ oder „Palmsonntag“ zu sehen sind, geht es weiter in das 2.OG, wo unter anderem das über vier Meter hohe und über sieben Meter breite Gemälde „Der fruchtbare Halbmond“ zu sehen ist. Auf dem Weg dorthin werden Sammlungswerke von Künstler*innen wie Alicja Kwade, Richard Long und George Rickey gezeigt. Unter anderem wird auch die Installation „Resonanzraum“ von Nevin Aladağ vorgestellt, die zu den jüngsten Neuankäufen des Hauses gehört und erst seit wenigen Wochen im Neubau präsentiert wird.Die Kunsthalle Mannheim nimmt die aktuelle Schließzeit zum Anlass ihr digitales Vermittlungsprogramm zu erweitern. Nicht nur im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ (bis 22. August 2021) sind in den kommenden Wochen Kuratorenführungen am Sonntag, 11. April, und Donnerstag, 29. April, geplant. Auch zu den Ausstellungen „Deltabeben“, „Michael Buthe“ und „(Wieder-)entdecken“ ist im April ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen geplant. Für Kinder wird es am Dienstag, 6. April, einen Online-Ferienworkshop geben. AUF EINEN BLICKMittwoch, 07.04.21, 19 bis 21 UhrMVV-KunstabendDieTeilnahme ist kostenfrei – MVVKunstabendDer MVV-Kunstabend wird live über youtube gestreamt. Den Zugangs-Link und weitere Infos zum Streaming finden Sie unter www.kuma.art

Die DELTABEBEN. REGIONALE 2020 ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kunsthalle Mannheim, des Mannheimer Kunstvereins, des PORT 25 - Raum für Gegenwartskunst, des Wilhelm-Hack-Museums und des Kunstvereins Ludwigshafen. Die Ausstellung wird seit 2010 im zweijährigen Turnus jeweils in Mannheim und Ludwigshafen gezeigt. In der diesjährigen sechsten Ausgabe sind die drei Mannheimer Institutionen Austragungsort von DELTABEBEN. In den Ausstellungen werden Werke von insgesamt 29 internationalen zeitgenössischen Künstler*innen aus verschiedenen Generationen präsentiert, deren Lebensmittelpunkt und Atelierstandort sich in der Rhein-Neckar-Region befinden, im sogenannten Delta.Die Kunsthalle Mannheim präsentiert im Jugendstilbau des Museums zehn Positionen, die in ihrer Vielfalt alle relevanten Medien des gegenwärtigen Kunstschaffens repräsentieren, von Malereien über Fotografie und Zeichnung bis zu multimedialen Installationen. Die teilnehmenden Künstler*innen sind: emmanuel boos, Franziska Degendorfer, Fritzi Haußmann, Myriam Holme, Alexander Horn, Valentina Jaffé, Emanuel Raab, Laura Sacher, Hannah Schemel und André Wischnewski. Sie wurden in einem mehrstufigen Verfahren von einem Expertengremium vorgeschlagen und von einer Jury, bestehend aus den kuratorischen Teams der drei Institutionen, ausgewählt.Jetzt sprechen die Künstler*innen in kurzen Video-Statements über ihre Werke.André WischnewskiIn seiner bildhauerischen Arbeit überführt André Wischnewski die Struktur des Comics in den Raum. Sofern der Künstler nicht direkt die Illustrationen aus den Seiten herausschneidet und dabei Leerstellen schafft, konstruiert er selbst überdimensionale Blattformate mit architektonisch anmutenden Rasterstrukturen, die an vergrößerte Comic-Strips aus Papier erinnern.André Wischnewski (*1983) studierte an der Kunstakademie Karlsruhe und lebt und arbeitet in Mannheim.VideoLaura SacherLaura Sacher interessiert sich für die Raumdimensionen und Materialität von Architektur. Sie arbeitet ortsspezifisch mit der Beschaffenheit ihrer Arbeitsumgebung auf dem ehemaligen Kasernengelände Franklin in Mannheim.Laura Sacher (*1990) studierte an der Kunstakademie Karlsruhe und lebt und arbeitet in Mannheim.VideoEmanuel RaabDie Fotografien von Emanuel Raab zeigen eine subtile Überblendung von unterschiedlichen Perspektiven und Räumen. Architektonische Elemente wie Fenster, Fassaden, Rahmen und Leibungen, Kacheln oder Vorhänge werden zu farbigen, transparenten oder spiegelnden Oberflächen. Mit phänomenologischem Blick konstruiert Raab fotografisch abstrakte und von formaler Präzision geprägte Bilder.Emanuel Raab (*1957) studierte Film und Fotografie in Darmstadt und lebt und arbeitet in Neustadt/Weinstraße.VideoFranziska DegendorferFranziska Degendorfer abstrahiert in ihren Materialcollagen gegenständliche, erzählerische Motive. So entstehen formal definierte, farbig akzentuierte Flächen, die sich gegenseitig überlagern und Reliefs bilden. Mit Stoff, Karton und Acrylfarbe gestaltet die Künstlerin die verschiedenen geometrischen Elemente und Ebenen ihrer Bilder.Franziska Degendorfer (*1980) studierte an den Kunstakademien in Karlsruhe und Stuttgart. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe.VideoAlexander HornAlexander Horn lässt sich für seine Malerei auf Holz, Acryl und Leinwand von fotografischen und filmischen Vorlagen inspirieren. Naturphänomene wie Wolken und Himmel, urbane Räume und figürliche Motive kommen in unterschiedlichen Werkgruppen vor.Alexander Horn (*1970) studierte an der Freien Kunstakademie Mannheim und lebt und arbeitet in Ludwigshafen am Rhein.VideoMyriam HolmeMyriam Holme arbeitet mit installativer Malerei im Ausstellungsraum. Sie setzt bevorzugt Aluminiumblech, Kupfer, Blattgold, Glas, Seife, Tusche und Lacke ein, um diese Materialien auf Basis von experimentellen Verfahren zu verformen, aufzulösen, zu verbinden und in Schichten zu überarbeiten.Myriam Holme (*1971) studierte an der Kunstakademie Karlsruhe und lebt und arbeitet in Mannheim.VideoFritzi HaußmannFritzi Haußmann verarbeitet in ihren Objekten und Installationen den Gummi aufgefalteter Fahrradschläuche. Sie vernäht die aufgeschnittenen Streifen miteinander und gestaltet aus den so entstehenden Gummidecken wesenhafte Gebilde, die Wand und Boden bedecken. Es scheint, als könne sich die Form bewegen und verändern, obwohl sie doch fixiert ist.Fritzi Haußmann (*1970) studierte an der Hochschule Wiesbaden und der Freien Kunstakademie Mannheim und lebt und arbeitet in Frankenthal und Mannheim.VideoHannah SchemelDie zarte Schönheit des Unscheinbaren steht im Zentrum der fotografischen Arbeit von Hannah Schemel. Mit einer analogen Großformatkamera macht sie Aufnahmen von ihrer Heimat Schwarzwald und dem Meer in Quiberon, Frankreich, an immer wiederkehrenden Orten.Hannah Schemel (*1994) studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule Mannheim.VideoValentina JafféDie Arbeit von Valentina Jaffé basiert auf Malerei, Papiercollagen und Keramik, in denen Pflanzendarstellungen und Farbspektren als Leitmotive den Bezug zwischen Natur, Farbe und Form darstellen. In unterschiedlichen Formaten, die sich zuweilen überlagern, bringt die Künstlerin mit Aquarelltechnik und zartem Pinselstrich die Kontur von Blättern oder Farbflächen auf.Valentina Jaffé (*1990) studierte an der Kunstakademie Karlsruhe und lebt und arbeitet in Mannheim.Videoemmanuel boosemmanuel boos hat auf die Perfektion der Porzellanbearbeitung bewusst verzichtet. Vielmehr versucht er, die Herausforderung der Intimität und Fragilität bei seiner Arbeit mit dem kostbaren Material in skulpturale Objekte mit schillernden Oberflächen und verfremdeten Formen zu verwandeln. emmanuel boos (*1969) promovierte künstlerisch am Royal College of Art in London und lebt und arbeitet zwischen Paris und Mannheim.Video