Johan Holten wurde gestern offiziell vom Gemeinderat der Stadt Mannheim als neuer Direktor der Kunsthalle Mannheim bestätigtJetzt ist es amtlich: Johan Holten tritt ab Herbst 2019 die Nachfolge von Dr. Ulrike Lorenz als Direktor der Kunsthalle Mannheim an. Das hat der Gemeinderat der Stadt Mannheim in nicht öffentlicher Sitzung gestern, 09.04.2019, beschlossen und folgt damit der Empfehlung des Kulturausschusses vom 27.03.2019.„Ich freue mich sehr, die exzellent aufgestellte Kunsthalle Mannheim weiter in die Zukunft zu führen“, erklärt Johan Holten.Auch Dr. Ulrike Lorenz freut sich über die Entscheidung der Stadt Mannheim: „Ich kenne und schätze Johan Holten seit vielen Jahren sehr als kompetenten Kollegen.“ Lorenz ist seit 2009 Direktorin der Kunsthalle Mannheim. Unter ihrer Leitung entstand von 2012 bis 2018 der innovative Neubau der Kunsthalle Mannheim als offene „Stadt in der Stadt“ mit einer umfassenden Digitalen Strategie. Im Sommer wechselt sie als Präsidentin zur Klassik Stiftung Weimar.Für Johan Holten stellt gerade die neue Ausrichtung des Museums einen besonderen Reiz dar: „Für mich war es programmatisch schon immer sehr wichtig, Kunst nicht als etwas zu begreifen, das abgeschottet in einem weißen Raum stattfindet: Kunst braucht den Dialog mit der Gesellschaft.“Die erste Ausstellung der Kunsthalle Mannheim unter der Leitung von Johan Holten wird die große Herbstschau „Inspiration Matisse“ sein. „Es ist natürlich fantastisch, dass ein so wichtiger Name der Kunstgeschichte den Auftakt für meine Zeit in Mannheim bildet.“Johan Holten, geboren 1976 in Kopenhagen, ist seit 2011 Direktor der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Während dieser Zeit hat er ihr Ausstellungsspektrum programmatisch erweitert. Besonders hervorzuheben sind die Ausstellungen „Room Service – Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel“ sowie „Gutes böses Geld. Eine Bildgeschichte der Ökonomie“, die mit ihren Verbindungslinien zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst beide ein bundesweites Presseecho hervorriefen. 2013 wurde Holten der Justus Bier Preis für Kuratoren für das Projekt „Auf Zeit“ verliehen. Von 2006 bis 2011 war er Direktor des Heidelberger Kunstvereins, wo er international beachtete Ausstellungen mit Jorinde Voigt, Walid Raad oder Simon Starling realisierte. 2009 wurde das Programm des Kunstvereins von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine ausgezeichnet. Holten studierte Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und war von 1994 bis 1998 professioneller Tänzer im Hamburg Ballett unter Leitung von John Neumeier.Dr. Ulrike Lorenz verabschiedet sich Ende Mai von der Kunsthalle Mannheim. Bis Johan Holten im Herbst sein Amt antritt, übernimmt Dr. Inge Herold, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Mannheim und Abteilungsleiterin Sammlung, interimistisch die Führung des Hauses.Fotocredit:Johan Holten wird der neue Direktor der Kunsthalle MannheimFoto: Sonja Bell
Ist das Raubkunst oder doch nur ein ganz regulärer Sammlungsankauf? Fragen wie diese stellt sich Dr. Mathias Listl. Der Provenienzforscher untersucht Kunstwerke auf ihre Herkunft und verfolgt den Weg von ihrer Entstehung über Verkäufe, Tauschgeschäfte oder Beschlagnahmungen bis in den Bestand des Museums. Besonders bei Kunstwerken, die vor 1945 entstanden sind, ist es nicht immer leicht, nachzuvollziehen, woher genau sie kommen. Die Forschung nach der Provenienz von Kunstwerken ermöglicht es, Raubkunst zu identifizieren und, wenn möglich, den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Am 10. April 2019 findet erstmals der „Tag der Provenienzforschung“ statt. Mehr als 70 Kulturinstitutionen in Deutschland, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz nehmen daran teil und geben u. a. im Rahmen von Führungen, Ausstellungen und besonderen Aktionen einen Einblick in wesentliche Fragen und Ergebnisse der Erforschung der Herkunft ihrer Sammlungen und Objekte. (Weitere Infos unter www. arbeitskreis-provenienzforschung.org) In der Kunsthalle Mannheim führt der Provenienzforscher und Kurator Dr. Mathias Listl ab 18.30 Uhr durch die Ausstellung „(Wieder-) Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“. Im Mittelpunkt der Führung stehen seine konkreten Forschungsergebnisse der letzten Jahre.Koordiniert wird der Aktionstag durch den Arbeitskreis Provenienzforschung e.V., ein seit 2000 bestehender Zusammenschluss von über 270 internationalen Wissenschaftler*innen, der sich der Vernetzung und fachlicher Unterstützung der Forschenden widmet. Mit dem Tag der Provenienzforschung, der künftig an jedem zweiten Mittwoch im April stattfinden wird, soll auf die gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz der komplexen Arbeit der Provenienzforscher*innen aufmerksam gemacht werden. Die vielfältigen Fragestellungen und Methoden dieses Forschungsbereich werden erklärt bzw. vermittelt. Interessierte haben die Möglichkeit, den Experten vor Ort Fragen zu stellen.Mittwoch, 10.04.2019, 18.30 Uhr(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die FolgenKuratorenführungKosten: 3 € zzgl. EintrittDr. Mathias Listl Foto: Kunsthalle Mannheim / Barbara Reeder
Unter dem Motto „Kunst für alle“ schuf der Gründungsdirektor der Mannheimer Kunsthalle Fritz Wichert 1911 mit der „Akademie für Jedermann“ einen innovativen Kulturtreffpunkt. Die neue Kunsthalle Mannheim greift dieses Gründungsmotto wieder auf und fragt am Samstag, 13. April 2019: Wer ist in der kosmopolitischen Mannheimer Stadtgesellschaft eigentlich „jedermann“? Von 11 bis 17 Uhr finden im Atrium – dem Marktplatz der Kunsthalle – Workshops, Diskussionen und Aktionen, Kunst, Musik, Bewegung, Performances und Gespräche statt. Mit dabei sind Mannheimer „Jedefrauen“, „Jedermänner“, Vereine, Initiativen und Gruppen.PROGRAMM & ABLAUF:Ab 10:30 Uhr Empfang & Begrüßung11:00-12:00 Uhr Aufwärmen: Yoga im AtriumWER IST JEDERMANN*?12:30-12:45 Uhr Einführung in die „Akademie für jedermann*“12:45-13:00 Uhr Einsingen: Offenes Chorsingen mit der Mannheimer Liedertafel e.V.13:00-13:15 Uhr Kurzvortrag: Dr. Susanne Wichert / Reiss-Engelhorn Museen: „Fritz Wichert und seine Pläne zur „Einbürgerung der Kunst in die Stadt Mannheim“.13:15-14:00 Uhr Wer ist jedermann*? Die Mannheimer Stadtgesellschaft stellt sich vor14:00-14:15 Uhr Zwischenspiel: Orientalische Musikakademie Mannheim e.V.WAS HAT DIE KUNST MIT MIR ZU TUN?14:15-15:30 Uhr Welche Bilder und Themen werden in den Ausstellungen der Kunsthalle Mannheim gezeigt und was bedeuten sie für jeden und die Stadtgesellschaft? Gespräche in der Sammlung15:30-15:45 Uhr Kurzvortrag: Jan-Philipp Possmann / zeitraumexit e.V.: „Kultur und Stadtgesellschaft“15:45-16:00 Uhr Aktive Pause: Turnen mit der Abteilung „Jedermann“ des TSV 1846 e.V.WIE KÖNNEN WIR UNS MITEINANDER VERBINDEN?16:00-16:30 Uhr Austausch und Ideen für gemeinsame Programme16:30-16:50 Uhr Abgesang: Offenes Chorsingen mit der Mannheimer Liedertafel e.V.16:50-17:00 Uhr Finales Ausklingen mit der Orientalischen Musikakademie Mannheim e.VOrt: Im Atrium der Kunsthalle MannheimDer Eintritt ist frei.Partner Programm Plus: ARTIMA. Die KunstversicherungKonzept, Dramaturgie und Moderation: Dörte Ilsabe Dennemann, Programmkuratorin der Kunsthalle Mannheim in Zusammenarbeit mit Tanja Krone, Regisseurin und PerformerinMit dabei sind: BPoC Collective, Das Arabische Haus e.V., Deutschsprachiger Muslimkreis Ludwigshafen-Mannheim e.V., FrauenKulturRat Mannheim, Interkulturelles Haus Mannheim e.V. Kulturparkett Rhein-Neckar e.V., KulturQuer Rhein-Neckar e.V., Mannheimer Liedertafel e.V., Orientalische Musikakademie Mannheim e.V., Jan-Philipp Possmann / zeitraumexit e.V., Stadtensemble des Nationaltheaters Mannheim, StartUp Mannheim – Kulturelle Stadtentwicklung, Turn- und Sportverein Mannheim 1846, Dr. Susanne Wichert / Reiss-Engelhorn Museum, YogaHeld Mannheim
Auflage komplett ausverkauft: „Was muss das Museum? Was kann das Museum?“ von Ulrike Lorenz und Wolfgang Ullrich jetzt onlineWas muss das Museum? Was kann das Museum? Diesen Fragen gingen Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim, und Prof. Wolfgang Ullrich im Streitgespräch über die Rolle der Kunstmuseen in der heutigen Gesellschaft im Sommer 2017 nach. Das Gespräch ist 2018 im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen. Mittlerweile ist die Auflage ausverkauft. Eine zweite Auflage ist nicht geplant, das Buch jedoch ab sofort online als pdf abrufbar über die Homepage von Ullrich.JETZT HERUNTERLADEN: Was muss das Museum? Was muss das Museum? Wolfgang Ullrich (*1967) studierte Philosophie und Kunstgeschichte in München und promovierte 1994 über Martin Heidegger. Von 1997 bis 2003 war er als Assistent am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Akademie der Bildenden Künste München tätig, danach Gastprofessur u.a. an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. An der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe wirkte er von 2006 bis 2015 als Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie. Seither ist er freiberuflich tätig als Autor, Kulturwissenschaftler und Berater.Dr. Ulrike Lorenz ist seit 2009 Direktorin der Kunsthalle Mannheim. Unter ihrer Leitung entstand 2012 bis 2018 der innovative Neubau der Kunsthalle Mannheim mit einer umfassenden Digitalen Strategie. Zuvor war sie Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg (2004–2008) und der Kunstsammlung Gera (1991–2004). Sie ist mit Ausstellungen und Publikationen zu Kunst und Architektur der Klassischen Moderne sowie zu zeitgenössischen Künstlern hervorgetreten. 2018 wurde Lorenz mit der Goldenen Ehrennadel des Frauenbrücke-Preises für die innere Einheit Deutschlands ausgezeichnet. Ab August 2019 leitet Lorenz als Präsidentin die Klassik Stiftung Weimar.Wer sich selbst weitergehende Gedanken machen möchte darüber, was ein Museum kann oder muss, hat dazu beim Symposium „Museum der Zukunft. Kunstmuseen im Kontext der urbanen Kultur“ in der Kunsthalle Mannheim am 21. und 22. November 2019 Gelegenheit. Weitere Infos unter www.kuma.art. Ulrike Lorenz, Wolfgang Ullrich (Hrsg.): Was muss das Museum? Was kann das Museum? Ein Streitgespräch zwischen Ulrike Lorenz und Wolfgang Ullrich, 80 S., Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2018, ISBN 978-3-96098-288-3, 7,80 €.Download unter ideenfreiheit.files.wordpress.com/2017/12/lorenz_ullrich_museum_2017.pdf
Im Rahmen der Ausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ begrüßt die Kunsthalle Mannheim im Wechsel als Gäste Werke, die 1937 aus ihrer berühmten Moderne-Sammlung als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt wurden und heute in Museen oder privaten Sammlungen auf der ganzen Welt beheimatet sind. Dort sind sie oftmals Glanzstücke der jeweiligen Institution. Dies zeigt eindrücklich, welche Kunstschätze die Kunsthalle einstmals besaß, die ihr durch die nationalsozialistischen Beschlagnahmungen genommen wurden.Von 12. März bis 23. Juni wird die „Madonna von Ostende“ (1916) von Erich Heckel aus dem Kirchner Museum Davos in der Kunsthalle Mannheim präsentiert. Der aquarellierte Holzschnitt ist einer jener expressionistischen Werke, die von Museumsdirektor Fritz Wichert bereits 1918 mit Sachverstand und Weitblick für die Mannheimer Sammlung direkt vom Künstler angekauft wurden.Nachdem das Blatt 1937 als „Entartete Kunst“ konfisziert wurde, blieb es bis Anfang 1940 im Bestand der vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda beschlagnahmten Werke, bevor es durch einen Tauschhandel in den Besitz des Berliner Galeristen Ferdinand Möller gelangte. Im Gedenken an Möller befindet sich die „Madonna von Ostende“ seit 2000 als Stiftung von Rosemarie und Konrad Baumgart-Möller in der Sammlung des Kirchner Museum Davos.Die Reihe „Zu Gast aus aller Welt“ startete im Juni 2018 mit Wilhelm Lehmbrucks Gemälde „Junges Mädchen (Martha)“ (1912), das seit 1954 im Besitz des Duisburger Lehmbruck Museums ist. Von September bis November 2018 war das Aquarell „Im Café (Hakenkreuzritter)“ (1921) von Georg Scholz zu Besuch, welches heute im Bestand der New Yorker Merrill C. Berman Collection ist. Seit Dezember 2018 konnte Robert Delaunays Gemälde „Saint-Séverin No. 3“ (1909/10) aus dem Solomon R. Guggenheim Museum in Mannheim bewundert werden. Als nächster Gast kommt Marc Chagalls „Die Prise (Der Rabbiner)“ (1926) Ende Juni aus dem Kunstmuseum Basel nach Mannheim.Die „Madonna von Ostende“ ist auch ein Vorbote weiterer Graphiken, die in der Kunsthalle Mannheim konfisziert wurden und ab 21. März 2019 in der Ausstellung „Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter“ 22.03. bis 23.06.2019) der Graphischen Sammlung präsentiert werden.Fotocredit:Erich Heckel, Madonna von Ostende, 1916, aquarellierter Holzschnitt@ Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen, Foto: Kirchner Museum Davos
Langeweile in den Faschingsferien? Nein, danke. In zwei je zweitägigen Workshops für Kinder und Jugendliche von 8 bis 10 Jahren und zwischen 11 und 14 Jahren bietet die Kunsthalle Mannheim kreative Auszeiten vom Schulalltag an. Im Rahmen der Sonderausstellung „Henri Laurens – Wellentöchter“ und der Sammlungspräsentation lernen Neugierige das Museum von einer neuen Seite kennen.Am Mittwoch, 06.03. und Donnerstag, 07.03. (10.15–15.15 Uhr) dreht sich im Workshop „Mach‘ mir die Welle!“ für Kinder von 8 bis 10 Jahren alles um die mythischen Wasserwesen in der Frühjahrsausstellung „Henri Laurens – Wellentöchter“. Die Sirenen und Meereskreaturen des französischen Bildhauers liefern dabei die Inspiration zu eigenen Kunstwerken, die anschließend mit Modelliermasse frei und fantasievoll gestaltet werden.„Kunst gegen Langeweile“ gibt es für kreative Köpfe im Alter von 11 bis 14 Jahren am Freitag, 08.03.2019 und Samstag, 09.03.2019 (10.15–16.15 Uhr) in der Kunsthalle. Dabei steht das Thema „Zeit“ im Fokus: Warum verläuft sie nur in eine Richtung? Wie kurz oder wie lang dauert eigentlich ein Augenblick? Und was genau hat Langeweile mit Zeit zu tun? Die Workshop-Teilnehmenden erforschen gemeinsam das Museum und suchen in Kunstwerken nach der „Zeit“. Anhand verschiedener Techniken und künstlerischer Medien, wie z.B. Video, Fotografie oder Plastik und vielen weiteren überlegen die Jugendlichen, was es mit der Zeit auf sich hat und wie sie in einem Kunstwerk sichtbar werden kann.Mittwoch, 06.03.2019 und Donnerstag, 07.03.2019, 10.15 bis 15.15 UhrMach' mir die Welle!Ferienworkshop für Kinder von 8 bis 10 Jahren (zweitägig)Kosten: 50 € inkl. Material & Eintritt.Anmeldung über www.abendakademie-mannheim.deFreitag, 08.03.2019 und Samstag, 09.03.2019, 10.15 bis 16.15 UhrKunst gegen LangeweileFerienworkshop für Kinder von 11-14 Jahren (zweitägig)Kosten: 60 € inkl. Material & EintrittAnmeldung über www.abendakademie-mannheim.de Bildunterschrift:Kreativ im Museum: Ein Blick ins Bildhaueratelier der Sonderausstellung „Henri Laurens – Wellentöchter“ (01.03. bis 16.06.2019)Foto: Kunsthalle Mannheim/ Dietrich Bechtel
Kaum ertragen lässt sich das Unrecht, das in dem Dokumentarfilm „A Woman Captured – Eine gefangene Frau“ aufgedeckt wird. Die 52-jährige Marisch muss ein Jahrzehnt lang unter unmenschlichen Bedingungen als Sklavin einer Familie dienen. Im Rahmen der Reihe „Film & Kunst“ der Kunsthalle Mannheim wird die bewegende Dokumentation (HU 2017, 89 Min., OmU) am Donnerstag, 21.02.2019 (19.30 Uhr) im Cinema Quadrat gezeigt.Zehn Jahre lang muss die Ungarin Marisch einer Familie dienen – bei 20-Stunden-Arbeitstagen und ohne Arbeitslohn. Ihre Unterdrücker konfiszieren ihre Ausweispapiere, Marisch darf das Haus nur mit ausdrücklicher Erlaubnis verlassen. Sie wird behandelt wie ein Tier, erhält nur Essensreste und hat kein Bett zum Schlafen. Zwei Jahre lang begleitet die Regisseurin Bernadett Tuzza-Ritter die Frau, der schließlich der Ausbruch aus der Sklaverei gelingt.Der Global Slavery Index (Weltweite Erfassung von Sklaverei) aus dem Jahre 2016 schätzt, dass derzeit weltweit 45,8 Millionen Menschen von einer der Ausformungen moderner Sklaverei betroffen sind, davon 1,2 Millionen Männer und Frauen in Europa. Dies beinhaltet Zwangsarbeit und häusliche Knechtschaft ebenso wie Prostitution. Diesen Sachverhalt aufzuzeigen ist ein Teil des Films, der zugleich auch von einer Ermächtigung handelt. Bernadett Tuzza-Ritter zeigt in ihrer Dokumentation eine Frau, die mit ihrer Flucht ein großes Risiko eingeht und der es gelingt, die schrecklichen Dinge, die ihr widerfahren sind, hinter sich zu lassen.Die aktuelle, 20. „Film & Kunst“- Staffel stellt sich einer besonderen inhaltlichen Herausforderung, denn alle ausgewählten Filme – von September 2018 bis Februar 2019 – stehen im Zeichen der großen Themenausstellung, die ab 12. Oktober in der Kunsthalle zu sehen ist. Unter dem Titel „Konstruktion der Welt: Kunst und Ökonomie“ verdeutlicht diese Themenausstellung erstmals den dramatischen Einfluss der Ökonomie auf die Kunst in einem weltweiten Vergleich und zeigt dies in der Gegenüberstellung zweier Epochen auf. Ökonomische Phänomene in der Klassischen Moderne der 1920/30er Jahre werden mit Fokus auf Deutschland, Russland und die USA reflektiert und künstlerischen Positionen der unmittelbaren Gegenwart gegenübergestellt. Hier ist der Ausgangspunkt für die Werkauswahl natürlich die globale Finanzkrise 2008, die die Wirtschaftssysteme in Amerika und Europa in ihren Grundfesten erschütterte und unsere Gegenwart nachhaltig beeinflusst.Das Programm der 20. Staffel „Film & Kunst“ ermöglicht mit einer Auswahl von preisgekrönten Dokumentarfilmen einen vertiefenden Blick auf das ökonomische Geschehen unserer Tage und ergänzt die Ausstellung um sehenswerte filmische Positionen. In Einführungsvorträgen wird der jeweilige Bezug der Filme zur Sonderausstellung „Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie“ hergestellt. in der Reihe „Film & Kunst“:Donnerstag, 21.02.2019, 19.30 UhrA Woman Captured – Eine gefangene FrauMit einer Einführung von Dr. Thomas KöllhoferOrt: Cinema Quadrat (Collini Center, Collini Str. 1, Mannheim)Kosten: 8 €/ ermäßigt 6 €/ Mitglieder 5 €
Der menschliche Körper – meistens der eigene – ist häufig Ausgangspunkt der Arbeiten von Mwangi Hutter. Das Künstlerpaar hat eine gemeinsame Identität entworfen, mit der Fragen zur Wahrnehmung von Gender, Kultur, Ethnizität und sozialer Distinktion gestellt werden. Für die Kunsthalle Mannheim entwickeln Mwangi Hutter eine Drei-Kanal-Videoinstallation mit Skulptur, die im Zusammenspiel dynamische Bewegung und bedrohliche Erstarrung einander gegenübersetzt. Der Ausstellungstitel „Schwarz, Rot, Gold?“ bezieht sich auf aktuelle Debatten über Interkulturalität und die Symbolik der Nationalflagge Deutschlands. Die Kunst von Mwangi Hutter füllt den Raum mit der Euphorie und der Rhythmik des Tanzes; sie zeigt aber auch den Körper als sensible Hülle, dessen Hautfarbe eine Projektionsfläche für Abgrenzung und Vorurteile sein kann. Sichtbares und Verdecktes, undefinierte Geschlechtlichkeit und unheimliches Begehren, Stille und kraftvolle Melodien kommen in dieser Installation zusammen.Die BOX ist ein Ausstellungsraum in der Kunsthalle Mannheim, den alle Interessierten eintrittsfrei besuchen können. Das Programm widmet sich der Vielfalt der künstlerischen Medien der Gegenwart und erlaubt auch interdisziplinäre Experimente. Hier werden in unregelmäßigen Abständen neue Werke von internationalen Kunstschaffenden mit überraschenden Themen und Fragestellungen präsentiert.Den Auftakt zur BOX machte im Juni 2018 der dänische Künstler Christian Falsnaes mit „Video Artist“. Ihm folgte Marinella Senatore mit der „School of Narrative Dance“. Nach einer „Zwischennutzung“ durch die Videoinstallation „Occupy, Resist, Produce“ (2014 – 2018) von Oliver Ressler und Dario Azzellini, die den Raum als Teil der Sonderausstellung „Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie“ bespielen, sind ab 01. März 2019 Mwangi Hutter an der Reihe.BOX #3:Mwangi Hutter01. März bis 05. Mai 2019Eröffnung: 28. Februar 2019Kurator: Dr. Sebastian Baden
Als die Nationalsozialisten 1937 in über einhundert deutschen Museen Kunstwerke der modernen Avantgarde als „Entartete Kunst“ beschlagnahmten, war der Bestand der Kunsthalle Mannheim eine der am stärksten von den Konfiszierungen betroffenen öffentlichen Sammlungen. Ein Großteil der knapp 600 damals aus Mannheim abgezogenen Werke waren dabei graphische Arbeiten. Als Ergänzung der Ausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ widmet sich nun auch die Graphische Sammlung dem Thema und präsentiert Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphiken, die 1937 in der Kunsthalle beschlagnahmt worden waren.Als Gäste auf Zeit kehren insgesamt 34 Meisterwerke nach Mannheim zurück, die sich heute in der Wiener Albertina, dem Kulturhistorischen Museum Rostock, dem Kölner Museum Ludwig, dem Kunstmuseum Basel und dem Sprengel Museum Hannover befinden. Mit dem Farbholzschnitt „Frau in der Nacht“ von Ernst Ludwig Kirchner wird zudem ein Blatt aus dem sogenannten Kunstfund Schwabing zu sehen sein. Nach dem Tod Cornelius Gurlitts im Mai 2014 erbte das Kunstmuseum Bern den 1919 entstandenen Farbholzschnitt.Dass die Sammlungen der Kunsthalle Mannheim so überdurchschnittlich von den Enteignungsaktionen unter den Nationalsozialisten betroffen waren, lag paradoxerweise an der innovativen Ausstellungs- und Ankaufspolitik ihrer ersten beiden Direktoren Fritz Wichert und Gustav Hartlaub. Wichert war als Gründungsdirektor der Kunsthalle eingestellt worden, die damals noch keine große Sammlung besaß. Mit großer Weitsicht erwarb er französische Kunst des 19. Jahrhunderts und zeitgenössische Künstler. Mit höchsten Qualitätsansprüchen und Kennerblick kaufte er junge, avantgardistische Expressionisten. Sein Nachfolger Gustav Hartlaub setzte diese Ankaufsstrategie fort und erweiterte sie auf die aktuelle Kunst der Neuen Sachlichkeit. Diese beiden Strömungen waren von den Beschlagnahmungen der Nationalsozialisten am stärksten betroffen.Insgesamt wurden 471 Graphiken in der Kunsthalle beschlagnahmt, darunter 177 Originalwerke (Aquarelle, Zeichnungen) und 289 Druckgraphiken sowie fünf nicht eindeutig einzuordnende Werke. Über ihr Schicksal nach der Enteignung konnte die Provenienzforschung des Hauses einige wesentliche Informationen recherchieren. So befinden sich nach aktuellem Wissensstand 53 Meisterwerke in renommierten Museen auf der ganzen Welt, darunter neben den bereits genannten u.a. das New Yorker Metropolitan Museum, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München und die Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea in Rom.Mit insgesamt 25 Blättern besitzt das Kulturhistorische Museum in Rostock den größten Bestand an ehemaligen Mannheimer Graphiken. Sie alle stammen aus dem Nachlass des Kunsthändlers Bernhard A. Böhmer, einem der deutschen Kunsthändler, die ab Ende der 1930er Jahre Zugriff auf die beschlagnahmten Werke aus deutschen Museen hatten. Während einige Blätter sich heute in Privatbesitz nachweisen lassen, ist von insgesamt 156 Arbeiten anzunehmen, dass sie von den Nationalsozialisten nach ihrer Beschlagnahmung zerstört wurden. Bei 234 Werken ist der aktuelle Verbleib unbekannt. Nur 19 befinden sich heute wieder im Bestand der Kunsthalle.Bekannt ist darüber hinaus, dass vor allem die Druckgraphiken über Hildebrand Gurlitt und Bernhard A. Böhmer gehandelt wurden. So gingen nachweislich weit über 100 Graphiken durch die Hände der beiden Kunsthändler. Zum Bestand Gurlitt gehören auch jene fünf ehemaligen Mannheimer Graphiken, die sich seit 2014 im Kunstmuseum Bern befinden und aus dem Schwabinger Kunstfund stammen.Die 34 Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphiken, die jetzt temporär in die Kunsthalle zurückkehren, besitzen nicht nur eine bewegte Vergangenheit. An ihnen zeigt sich auch exemplarisch, mit welchem Qualitätsanspruch Fritz Wichert und Gustav Friedrich Hartlaub die Mannheimer Moderne-Sammlung einst zusammentrugen. Oftmals direkt vom jeweiligen Künstler erworben, kamen Graphiken in den Bestand, die heute Spitzenwerke in internationalen Museen darstellen.Die Kunsthalle Mannheim präsentiert diese Meisterwerke vom 22. März bis 23. Juni 2019 unter dem Titel „Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter“ in der Graphischen Sammlung.Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter22. März bis 23. Juni 2019Eröffnung: 21. März 2019, 19 UhrKuratoren: Dr. Thomas Köllhofer, Dr. Mathias Listl
Was haben Tanz und Bewegung mit Arbeit zu tun? Dieser Frage spürt Volume V im Rahmen der aktuell verlängerten Sonderausstellung „Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie – 2008–2018“ in einer Tanz- und Performance-Woche von Dienstag, 19.02., bis Freitag, 24.02.2019, nach. Die Künstler*innengemeinschaft erarbeitet, ausgehend von Bewegungsformen im Alltag und bei der Arbeit, mit Besucher*innen, Bürger*innen, Schüler*innen sowie regionalen Institutionen Tanz- und Bewegungschoreographien, Performances, Paraden, Walks und Workshops im Mannheimer Stadtraum, neben und in der Kunsthalle. Es finden zahlreiche situative und experimentelle Aktionen, Recherchen und Handlungen zu den dynamischen Prozessen von Stadt und Gesellschaft in Form von Versuchschoreographien statt, die kurzfristig angekündigt werden oder einfach in den Alltag einfließen.Gegründet wurde die temporäre Arbeitsgemeinschaft Volume V von Künstler*innen im Umfeld der HBK Saar und Professor Georg Winter anlässlich der Sonderschau „Konstruktion der der Welt. Kunst und Ökonomie“ in der Kunsthalle Mannheim. Ausgehend von Fragestellungen des Strukturwandels postindustrieller Standorte arbeitet Volume V mit künstlerischen Werken an der Verfasstheit gesellschaftlicher Verhältnisse. Ihr kreatives Labor hat die Gruppe sich in einer ehemaligen Zahnklinik des US-Militärs, genannt MASH (Mobile Army Surgical Hospital), eingerichtet, die extra von den Konversionsflächen des Mannheimer Franklin Village an den Friedrichsplatz umgezogen ist. Das Publikum ist hier eingeladen, sich an Aktionen, Diskussionen oder ästhetischen Operationen zu beteiligen.Dienstag, 19.02.2019 bis Sonntag, 24.02.2019, 12-18 UhrTanz- und Performance-Woche: Arbeiter*innen-Tänze Alle Termine und weitere Infos online unter sar-projektbüro.de.Der Eintritt zu alle Veranstaltungen ist frei.Termine im Überblick (Auswahl): Tragbare – ertragbare Stadt?Freitag, 22.02.2019, 14-16 UhrAufführung mit tragbaren Stadtmodellen der Schüler*Innen des Ludwig-Frank-Gymnasium Mannheim, aus einem Volume V-Workshop mit Johannes Höller und Julia Rabusai.Ort: Vorplatz und Atrium der Kunsthalle MannheimKukeri MaskenSamstag, 23.02.2019, 11-13 UhrKukeri ist ein rituelles Spiel aus Bulgarien, das den Jahreswechsel einleitet. In diesem Workshop mit Franziska Ludwig-Selimska (Leiterin des EntoArtclubs) stellen die Teilnehmer*innen Kukeri Masken her. Diese Masken werden vorwiegend aus natürlichen Materialien hergestellt.Begleiten Sie uns mit Ihren Masken zum Kukeri. Zum Abschluss laden wir Sie ein mit uns, nach einem bulgarischen Ritual, symbolisch die eigene Maske abzulegen, die Sie nicht mehr tragen möchten.Ort: MASH (Container vor der Kunsthalle Mannheim am Friedrichsplatz)KukeriSamstag, 23.02.2019, 15 UhrGemeinsames Kukeri mit Live MusikOrt: Start an Paradeplatz. Der Weg führt vom Paradeplatz über die Planken zu Wasserturm und schließlich Kunsthalle.Kukeri AusstellungSonntag, 24.02.2019, 10-18 UhrAusstellung zu Kukeri im Atrium der KunsthalleKooperation: Interkulturelles Haus – der Vielfalt e.V. und Volume VKukeri ist ein im Frühling im Freien aufgeführtes rituelles Spiel im Süden und im Westen von Bulgarien, bei dem die Akteure in Tiergestalt kostümiert und maskiert, die Vertreibung böser Geister, Szenen aus dem häuslichen Alltag und der Landwirtschaft darstellen. Erstmals wird in Mannheim die originale Kukeri-Tanzgruppe aus Bulgarien zu sehen sein. Volume V und das Interkulturelle Haus – der Vielfalt e.V. erproben zusätzlich Arbeiter*innentänze in und aus Mannheim.Bewegung und Performance mit kurdischer Musik – Europäische Kugeltänze Sonntag, 24.02.2019, 14-16 UhrTanz-Workshop mit Bahzad Sulaiman. Im Workshop geht es darum, mit Live Musik die Teilnehmer*innen mit kurdischer Kultur und Musik vertraut zu machen. Geprobt und getanzt wird der Govend, ein kurdischer Kreistanz. Im Anschluss und mit dem Rhythmus der kurdischen Live-Musik wird im Atrium der Kunsthalle erstmals in Mannheim ein „Europäischer Kugeltanz“ erprobt. Der performative Tanz beschäftigt sich ausgehend von der Beobachtung neuer Bewegungsrituale der europäischen Rechten in Ungarn mit der Praxis des tänzerischen Widerstands, der Stärkung des Zusammenhalts durch die interkulturellen Gemeinschaften. Ort: Auditorium der Kunsthalle MannheimLS Line CircleDienstag, 19.02.2019,14-18 UhrMittwoch, 20.02.2019, 16-20 UhrDonnerstag, 21.02.2019, 10-14 UhrFreitag, 22.02.2019, 10-14 UhrSamstag, 23.02.2019, 13-17 Uhr,Sonntag, 24.02.2019, 12-16 UhrMarion Cziba hinterfragt in ihrer Maschinen-Tanz-Performance die Sinnhaftigkeit von Maschinen und Automaten. Maschinen unseres Alltags gelangen als Readymades zu einer neuen Schein-Identität, einer geliehenen Subjektivität, die „tanzend“ ihr vorgegebenes Programm aufführt und zugleich auf die unumkehrbare Vergänglichkeit jedes Moments verweist. Wo sind Maschinen nützlich, wo vielleicht überflüssig? Wo unterstützen sie, wo „entfähigen“ sie uns?Ort: Atrium der Kunsthalle Mannheim
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